Vom Azubi zum Inhaber: Neuer Chef kennt Elektro-Betrieb schon seit Jahren

Planen die Betriebsübergabe akribisch: Ulrich Kammerer-Romano (links) und Ralf Rapp (rechts)
Fünf Jahre haben sich Ralf Rapp und Ulrich Kammerer-Romano Zeit genommen. Fünf Jahre, in denen der erfahrene Betriebsinhaber seinem Nachfolger eng zur Seite stand. Fünf Jahre, in denen beide sich vorbereitet haben. Der eine aufs Loslassen, der andere darauf, die Verantwortung alleine zu tragen. Ende dieses Jahres ist es soweit: Elektroinstallateurmeister Ralf Rapp tritt in den Hintergrund und überlässt seinem ehemaligen Auszubildenden das Geschäft.
„Es ist ein Glück, dass alles passt“
Dann wird der Handwerksbetrieb Elektro Bayer GmbH in Rottweil den dritten Eigentümer erleben – Bayer, Rapp, Kammerer-Romano. „Es ist ein großes Glück für mich, dass Ulrich Kammerer-Romano den Betrieb weiterführt und alles passt“, sagt der 63-jährige Rapp. „Ich wünsche mir, dass der Betrieb noch viele Jahre besteht und weiter für die Kunden da ist.“ Deswegen kam ein Verkauf an größere Unternehmen nicht in Frage. Als stellvertretender Präsident der Handwerkskammer Konstanz will er bis zum Ende seiner Amtszeit im November 2029 als Geschäftsführer im Betrieb bleiben, seine Geschäftsanteile gibt er allerdings Ende Dezember 2026 ab.
„Wir haben früh genug angefangen. So eine Übergabe setzt man nicht innerhalb eines Jahres um“, sagt Rapp. Eng begleitet wurde der Prozess von der Handwerkskammer Konstanz. Dennis Schäuble, Fachbereichsleiter Unternehmensservice, erarbeitete mit beiden gemeinsam den Übergabeplan und unterstützte vor allem bei der Wertermittlung des Betriebs und bei Finanzierungsfragen.
Schreibtisch statt Baustelle
Kammerer-Romano hat seitdem die Baustelle gegen den Schreibtisch getauscht. Löhne zahlen, Buchhaltung, Angebote schreiben, Personalführung, Material bestellen, Projekte koordinieren – die Liste der neuen Aufgaben ist lang. Plötzlich ist der 39-Jährige für alles selbst verantwortlich. Die Karriere verlief geradlinig: 2005 Azubi, 2009 Elektroniker, 2019 Meister, 2021 Geschäftsführer und bald darauf Betriebsinhaber. „Da ist keiner mehr, den ich anrufen kann, der dann entscheidet“, stellt er fest, fühlt sich dem aber gewachsen. „Ich bin in dem Betrieb groß geworden und kenne meine Angestellten sowie alle Abläufe.“ Nun rufen seine Mitarbeiter ihn an, wenn es Probleme gibt. Aber Lösungen für besonders kniffelige Aufgaben finden, das hat Kammerer-Romano schon auf der Baustelle immer motiviert.
Zu den Angestellten gehört auch Ute Rapp, die auch für ihren Mann das Büro gemanagt hat. Sie bleibt Kammerer-Romano erhalten, der darüber sehr erleichtert wirkt. Nicht nur wegen der fachlichen Kompetenz. „Ich habe auch eine emotionale Verbindung zur Familie Rapp. Ich liebe meinen Beruf und werde den Betrieb so weiterführen.“
Positiver Blick nach vorne
Zukunftsängste hat Kammerer-Romano nicht. „Durch die Beratung der Handwerkskammer weiß ich, welche Kosten auf mich zukommen. Und der Betrieb läuft gut. Wir haben viele Aufträge, auch rund um E-Mobilität und erneuerbare Energien.“ Das werde auch in den kommenden Jahren gut laufen. Er ist sich sicher, dass der Betrieb problemlos durch die wirtschaftlich schwierigeren Zeiten kommt. Allerdings nicht ohne Fachkräfte. Deswegen legt er, wie auch schon Ralf Rapp, einen Schwerpunkt auf die Ausbildung. Der Kundenstamm ist mit öffentlichen Auftraggebern und treuen Industriekunden ebenfalls stabil.



