Frauen im Handwerk: „Sagt, was euch stört“

Drei Mädchen unter 15 Auszubildenden: Lena Bogdanski, Shireen Schlenker und Aylin Lienhard fühlen sich bei Elektro Eichkorn nicht anders behandelt als ihre männlichen Kollegen.
Fotos: Julia Kipping
Austausch mit anderen Handwerkerinnen
Die 17-jährige Lena Bogdanski ist im ersten Ausbildungsjahr und fand es spannend, bei dem Workshop einen Einblick zu bekommen, wie andere Frauen mit Vorurteilen umgehen und ihren beruflichen Weg erfolgreich gestalten. Sie ist glücklich über die positive Atmosphäre in ihrem Ausbildungsbetrieb, denn sie hat gehört, dass es auch anders laufen kann.
Neben einem Workshop zum Thema Empowerment und Einblicken in die Arbeit von Influencerinnen, die sich für Frauen im Handwerk starkmachen, konnten die drei Schwarzwälderinnen auch an einer Schulung zur Lichtplanung teilnehmen.
Viele Ideen habe sie mitgenommen, erzählt Shireen Schlenker. „Es war toll, zu sehen, wie man mit den Lichtern spielen kann, um im Raum besondere Effekte zu erzeugen oder mit dem passenden Lichtkonzept Räume richtig gemütlich wirken lassen kann.“ Und Lena ergänzt: „Wir haben gesehen, welche Möglichkeiten uns offenstehen und dass Frauen sich unabhängig vom Gewerk im Handwerk untereinander vernetzen.“
Leidenschaft für die Baustelle
Shireen Schlenker kennt die Klischees von der schwachen Frau, die kein technisches Verständnis hat, gut. Sie wurde damit bei der Ausbildungsplatzsuche
konfrontiert, ließ sich aber trotzdem nicht von ihrem Wunsch, ins Handwerk zu gehen, abbringen. „Ich habe mich schon immer fürs Handwerk interessiert und wollte raus auf den Bau“, erzählt die 18-Jährige, die im zweiten Ausbildungsjahr ist.
In der 8. Klasse hat sie ein Praktikum bei Eichkorn gemacht und auch in den Ferien dort gejobbt. Nach dem Abschluss war klar, dass sie die Ausbildung zur Elektronikerin für Energie- und Gebäudetechnik machen möchte. „Ich mag es zu wissen, dass andere von dem, was ich mache, einen Nutzen haben.“
Vorbilder machen Mut
Die Geschichte einer Elektroniker-Meisterin hat Aylin Lienhard besonders beeindruckt. „Als sie mit ihrer Ausbildung angefangen hatte, bekam sie zu hören: ‚Aus dir wird nichts.‘ Nun ist sie erfolgreich und führt eine eigene Firma.“ Die 18-Jährige ist wie Shireen im zweiten Lehrjahr und kam über ein Praktikum in den Betrieb. Nun ist sie froh, dass sie selbst anpacken kann: „Ich will gerne alles selbst machen und nicht immer jemanden anrufen, der mir das macht.“
Früh Verantwortung übernehmen
Eigenverantwortlich arbeiten darf Lena schon von Anfang an. „Ich bekomme eine Aufgabe auf der Baustelle und darf sie dann selbst lösen“, erzählt sie von ihrer Ausbildung. Sie ermutigt andere junge Frauen, einfach mal ein Praktikum zu machen. „Viele Betriebe würden sich freuen, wenn sich ein Mädchen bewirbt“, ist sie sich sicher.
Als frischgeschulte Ausbildungsbotschafterinnen werden Lena und Aylin künftig ihre Begeisterung für Elektrotechnik an Schülerinnen und Schüler weitergeben. Und Shireen ermutigt junge Frauen: „Sagt, was euch stört. Wenn man es runterschluckt, ändert sich nichts.“
Zahlen im Kammergebiet Konstanz
Zum Ende des Jahres 2025 waren im Kammergebiet Konstanz von 4.177 Auszubildenden 773 weiblich. Im Elektrohandwerk waren von insgesamt 524 Auszubildenden 20 weiblich.


