Der Betrieb fürs Leben

Eine Betriebsnachfolge ist weit mehr als ein Kaufvertrag. Die Geschichte von Fabian Ziegler zeigt, wie aus einem ehemaligen Auszubildenden ein Unternehmer wurde – und warum auf dem Weg dorthin Vertrauen, Familie und professionelle Begleitung eine entscheiden-de Rolle spielen. Von Sabrina Kreuzer (Handwerk BW)

Von der Finanzierung bis zu familiären Fragen: Gemeinsam mit BWHM-Berater Klaus Häcker (links) bereitete Fabian Ziegler die Übernahme seines Ausbildungsbetriebs vor.

Foto: Handwerk BW

Der Geruch von Holz liegt in der Luft. Aus der Werkstatt dringt das Surren der Maschinen. Fabian Ziegler grüßt Mitarbeitende, bleibt kurz stehen und lächelt. Nach anderthalb Jahren als Geschäftsführer und Inhaber wirkt er angekommen. Dass er diesen Betrieb einmal übernehmen würde, hätte er sich während seiner Ausbildung wohl selbst nicht vorstellen können. Ganz so selbstverständlich, wie es heute wirkt, war dieser Weg allerdings nicht.

Der Betrieb ist für Ziegler weit mehr als ein Arbeitsplatz. Hier absolvierte er seine Ausbildung und arbeitete anschließend ein Jahr als Geselle. Danach zog es ihn zunächst hinaus, um Erfahrungen zu sammeln. Im Jahr 2020 kehrte er zur damaligen Artur Summ GmbH & Co. KG zurück.

Wer ihn heute durch den Betrieb begleitet, merkt schnell: Er ist hier nicht einfach Geschäftsführer geworden – er ist hier groß geworden. Dass er nicht nur als Mitarbeiter zurückkehrte, war beiden Seiten bewusst. In seiner neuen Rolle übernahm er früh Verantwortung und arbeitete sich Schritt für Schritt in die Unternehmensführung ein. „Als Betriebsleiter hatte ich einen guten Einblick in die Zahlen. Aber was die ganzen Effekte dahinter bedeuten, wurde mir erst in der Beratung klar“, sagt Ziegler.

Die Entscheidung zur Übernahme

Als die Betriebsübernahme konkreter wurde, zeigte sich schnell, wie komplex der Weg tatsächlich werden würde. Die ersten Gespräche mit der Handwerkskammer Konstanz machten deutlich, dass der Fall aufgrund der Unternehmensgröße und der Vielzahl an Fragestellungen eine intensivere Begleitung erforderte. Deshalb vermittelte die Kammer den Betrieb an die Beratungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Handwerk und Mittelstand (BWHM).

Was Ziegler rückblickend beschreibt, erlebt Klaus Häcker regelmäßig. Für den BWHM-Berater umfasst eine Betriebsübernahme weit mehr als Unternehmensbewertung und Finanzierung. Gemeinsam mit dem Nachfolger arbeitete er die gesamte Übergabe auf – von Kaufpreis, Finanzierung und Verträgen bis hin zu Führungsfragen und Gesprächen mit der Familie. „Das ist aus unserer Sicht das normale Programm, das man abarbeiten sollte – was aber häufig nicht getan wird“, sagt Häcker.

Für Ziegler bedeutete die Beratung intensive Wochen. Tagsüber arbeitete er im Betrieb, abends beschäftigte ihn die Unternehmensnachfolge weiter. „In dieser Zeit saß ich jeden Abend zwei Stunden am Esszimmertisch und habe mich damit beschäftigt. Oder ich habe zu meiner Frau gesagt: 'Ich habe heute mit Herrn Häcker telefoniert, da müssen wir drüber sprechen, wenn die Kinder im Bett sind.'“, erinnert sich der 36-Jährige. Längst ging es nicht mehr nur um Zahlen, sondern auch um die Frage, welche Folgen die Übernahme für seine Familie haben würde.

Deshalb gehörte zur Intensivberatung auch ein gemeinsames Gespräch mit Zieglers Ehefrau – bewusst an einem neutralen Ort, dem Büro von Klaus Häcker in Herrenberg. Dort wurden Risiken, Finanzierung und mögliche Szenarien offen besprochen. Rückblickend bezeichnet Ziegler diesen Termin als Wendepunkt: „Als ihr diese Sorge genommen wurde, war für mich klar: Jetzt kann ich das Drumherum eigentlich machen.“

Auch für Häcker gehört dieser Blick über betriebswirtschaftliche Fragen hinaus zu einer gelungenen Nachfolge. „Ich sage immer: Es muss so sein, dass sich Inhaber und Nachfolger in fünf Jahren beim Stadtfest treffen können und mit Freude aufeinander zugehen.“ Denn eine erfolgreiche Betriebsübergabe endet für ihn nicht mit der Unterschrift unter dem Kaufvertrag, sondern damit, dass beide Seiten ihre Entscheidung auch langfristig mittragen.

Mehr als Zahlen und Verträge

Der Aufwand zahlte sich aus. Ende Dezember 2024 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet, zum 1. Januar 2025 übernahm Ziegler den Betrieb offiziell. Heute ist er überzeugt, dass ihm die Intensivberatung nicht nur fachlich, sondern auch persönlich die nötige Sicherheit gegeben hat. „Ohne die BWHM würde ich heute wahrscheinlich nicht hier sitzen“, sagt er.

Fabian Ziegler hat den Schritt geschafft. Vielen Handwerksbetrieben in Baden-Württemberg steht er noch bevor. In den kommenden Jahren suchen rund 28.000 Betriebe eine Nachfolge. Das Beispiel der Summ GmbH zeigt, wie komplex eine Betriebsübergabe sein kann – und wie wichtig es ist, sie frühzeitig anzugehen und sich bei Bedarf Unterstützung zu holen.

Während in der Werkstatt die Maschinen weiterlaufen, bleibt Ziegler noch einmal stehen und spricht mit einem Mitarbeiter. Heute wirkt es selbstverständlich, dass ihm dieser Betrieb gehört. Tatsächlich steckt hinter diesem Moment weit mehr als die Unterschrift unter einem Kaufvertrag: der Mut, Verantwortung zu übernehmen, und die Bereitschaft, sich auf dem Weg dorthin begleiten zu lassen.

Frühzeitig beraten lassen

Eine erfolgreiche Betriebsübergabe braucht Zeit. Deshalb sollten sich Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber möglichst frühzeitig mit der Nachfolge ihres Unternehmens beschäftigen.

Erste Ansprechpartner sind die zuständigen Handwerkskammern. Sie beraten Betriebe zu allen grundlegenden Fragen der Unternehmensnachfolge und begleiten den Prozess. Bei komplexen Übergaben arbeiten die Handwerkskammern in Baden-Württemberg eng mit der Beratungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Handwerk und Mittelstand (BWHM) zusammen. Gemeinsam unterstützen sie Betriebe dabei, wirtschaftliche, rechtliche und persönliche Fragen frühzeitig zu klären.
(https://handwerk-bw.de/service/beratung)